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Geschichte

Schloss Payersberg in Nals, Geschichte

Namensforschung

Mühlsteintein in Nals, Südtirol Erinnerungstafel an den Besuch von Franz Ferdinand Der Hof Birkenstein in Nals, Südtirol Altes Weinfass in Nals, Südtirol Geschichte in Nals, altes Haus

Nals ist ein uralter Ort. Schriftlich erwähnt wird der Name Nalles auf einer Urkunde des Klosters St. Gallen in der Schweiz bereits im Jahre 830. Der Name lässt mit ziemlicher Bestimmtheit vermuten, dass Nals vorrömisch, also über 2.000 Jahre alt ist. Verschiedene Sprach- und Namensforscher haben versucht ihn zu deuten. Doch sind die sprachlichen Deutungsversuche so verschieden, dass man sich schwer für eine bestimmte Erklärung entscheiden kann. Eine der plausibelsten Erklärungen stammt von Joseph Thaler in „Tirols Altertümer in dessen geografischen Eigennamen“, wo er den Ortsnamen Nals entweder von „naulochos“ – „navale“ (Schiffshafen) oder aber vom französichen „naulis“ – „nolis“ (Schiffsfracht, Fährgeld) ableitet. Diese These übernimmt auch Beda Weber in „Meran und seine Umgebung“, wo er auch darauf hinweist, dass „in dieser Gegend“ die Floßfahrt auf der Etsch begann.

Besiedlung und Wallburgen

Sicherlich ist Nals schon in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung nicht ohne Bedeutung gewesen, was aus zwei im Schloss Schwanburg befindlichen Römersteinen und mehreren gleichaltrigen Stein- und Münzfunden hervorgeht. Prof. Cartellieri hat aus einem dieser Denkmäler, das laut Inschrift auf einen Sevir Augustalis, einen Priester eines römischen Heiligtums also, zurückgeht, geschlossen, dass Nals „ein ansehnlich großer Ort mit einem Tempel“ gewesen sein muss. Nach den Funden und im Hinblick auf die Nähe der großen römischen Heeresstraße durch das Etschtal, der Via Claudia Augusta, wäre dies nicht unwahrscheinlich, wenn man außerdem noch daran denkt, dass auf dem Kirchenhügel von „St. Apollonia“ in Sirmian, oberhalb von Nals, mit guten Gründen für das von den Franken im Jahre 590 n. Chr. zerstörte Langobarden-Kastell Sirmianum gehalten wird. Sichere Zeugen einer sehr frühen Besiedlung dieser Gegend sind außerdem noch die hier so zahlreich vertretenen Überreste von Wallburgen. Wohl die größte davon befand sich auf dem Burgstalleck, einem bewaldeten Hügel südwestlich von Nals, der höchsten Erhebung der Mittelgebirgsstufe auf der rechten Etschtalseite zwischen Meran und Bozen. Das Burgstalleck ist auf verschiedenen Wanderwegen erreichbar. Der Aufstieg von Nals über den Regelehof oder über Schloss Payersberg zieht sich ohne große Schwierigkeiten über 1 ½ bis 2 Stunden hin und kann zu einem Rundgang weiter nach Obersirmian und dann wieder zurück nach Nals fortgeführt werden. Senkrecht unterhalb des Burgstallecks wird eine weitere Wallburgensiedlung sichtbar, deren Gesteinstrümmer hell heraufleuchten. Es handelt sich um die Wallburg Föhrenbühel, die auf dem Weg von Nals über den Regele- und Koflerhof nach Andrian liegt. Als im Jahre 1902 der Grund zum Bau des neuen Messnerhauses in St. Apollonia ausgehoben wurde, stieß man auf eine Bestattungsstätte von sechs Menschen und sechs Pferden, deren Skelette frei in der Erde lagen, und barg das Bruchstück eines Armringes aus massiver Bronze. Demnach bestand auch auf dem Hügel von St. Apollonia eine frühgeschichtliche Siedlung. Reste von Wallburgen sind außerdem auf dem Kasatschbichl, bei St. Jakob in Grissian, auf dem Tisener Hirschbichl und auf St. Hippolyt zwischen Tisens und Völlan zu finden. Alle diese stummen Zeugen geben Hinweise auf die frühe Besiedlung der Umgebung des Dorfes.
 

 

Der Adel in Nals - Die Payersberger und Jakob von Boymont-Payersberg

Nach Goswins Chronik (Kloster Marienberg – 14. Jahrh.) teilten sich die Besitzungen der sehr fruchtbaren Gegend von Nals seit dem frühesten Mittelalter Adelige und Klosterherren aus dem gesamten süddeutschen Raum. Hauptsächlich Weinberge besaßen demnach die Klöster St. Afra zu Augsburg, Füssen, Schäftlarn und Weingarten im heutigen Deutschland, Stams im heutigen Österreich, Münster in der heutigen Schweiz und Allerengelsberg, die Meraner Klarissen, Gries, Marienberg im heutigen Südtirol/Italien, sowie die adeligen Herren von Payr, Boymundt, Campi, Fuchs u.a. Das betuchteste, einheimische Geschlecht war das der Herren Payr von Payersberg zu Nals, das vermutlich aus Bayern stammte, da ein bestimmter Lammlfuß de Bavarius, der in einer Trientner Urkunde von 845 als Schöffe vorkommt, wahrscheinlich auf Schloss Payersberg beheimatet war. Seit 1165 waren die Payr Ministerialen der Grafen von Eppan. Als erster Träger dieses Namens erscheint auf verschiedenen Urkunden ein gewisser Reimprecht von Payr, der vermutlich zusammen mit seinem Sohn Otto das erste Schloss Payersberg erbauen ließ. Ottos einzige Tochter Elisabeth vermählte sich mit Dietmar von Boymundt. Seither hieß diese Linie von Boymundt-Payersberg. Laut Tiroler Adelsmatrikel sind die Grafen Payersberg im Jahre 1791 im Mannesstamme ausgestorben. Ihr letzter Spross, die Gräfin Josefa Amade de Varkony starb im Jahre 1851 in der Steiermark. Die teilweise verfallene Burg Payersberg ist heute Privatbesitz der Familie Malpaga. Die bekannteste und hervorragendste Gestalt der Linie Boymundt-Payersberg war Jakob Freiherr von Boymundt-Payersberg-Schwanburg, geboren am 5.7.1527 in Ivano, im Bezirk Strigno im Suganatal, als Sohn des Martin, Hauptmann von Ivano und dessen Gemahlin Sofie von Breisach. Er trat 14jährig als Edelknabe in den Hofstaat des Fürstbischofs Grafen Fuchs Fuchsberg von Brixen. Im Jahre 1550 wurde er Besitzer des adeligen Hofgerichtes in Bozen und bekleidete dieses Amt bis 1569. Am 20. Mai 1560 erteilte ihm Kaiser Ferdinand persönlich den Ritterschlag, erhob ihn zum kaiserlichen Rat und gab ihm das Prädikat „von Schanburg“, nach dem von ihm 1560 bis 1575 erbauten Schloss Schwanburg, das er an Stelle des dort bestehenden Hauses in der Gaul hatte errichten lassen. Jakob „der Schwanburger“, wie er von seinen Adelsgenossen genannt wurde, war zu seiner Zeit eine der angesehendsten Persönlichkeiten des Landes. Als heiterer Gesellschafter, dienstbereiter, geschäftskundiger Vermittler und tüchtiger Hauswirt wurde er unzählige Male von seinen Standesgenossen ebenso in Anspruch genommen, wie vom Landesfürsten. Seinen Herrenbesitz in Nals, die Schwanburg, erweiterte und befestigte Jakob unter bedeutenden Auslagen. Besonders für die Wein- und Landwirtschaft zeigte er großes Interesse. So steigerte er in einem Zeitraum von 28 Jahren den Ertrag seiner Rebgüter von 279 auf 2.020 Yhrn (1 Yhrn = ca. 76 Liter). Die daraus erzielten Einnahmen erhöhten sich von 418 auf 4.510 fl (Gulden). 1563 erwarb Jakob ein Grundstück in der Nähe der Schwanburg und erbaute darauf den großen neuen Keller, der heute noch, inzwischen öfters restauriert, demselben Zwecke dient. Ein großer Schneefall im Januar 1571 veranlasste ihn, in seiner Autobiografie folgendes zu berichten: „Wie der groß Schnee zwiesl hoch daselbst dass Dach über den großen neuen keller nider hat truckt und alles holz und ziegl zu drimer gangen; hat mich zu 800 fl gestanden, das wiederump aufzubauen.“ Zu seinem ererbten Besitz erwarb er noch an die 20 Höfe dazu, die er, wie es heißt, alle mustergültig bewirtschaftete. Der Schwanburger galt alseiner der reichsten und mächtigsten Herren seiner Zeit im Lande. Reisen nach Wien, Prag, der Steiermark und Kärnten, nach Spanien, Frankreich und Italien erweiterten seinen Weltblick. Am 22. Oktober 1581 starb der Nimmermüde. In der Folgezeit ging die Schwanburg in den Besitz der Adelsfamilie Trapp über, die sie 1771 an die Familie Thaler verkaufte. 1873 überließ Frau Berta W.we Thaler geb. Carli den Besitz ihrem Neffen Rudolf Carli, dessen Erben ihn heute noch als bekannte Kellerei weiterführen.

Glück auf! Das Bergwerk

Im 15. Jahrhundert wurde in Nals mit Erfolg Bergbau betrieben. Bereits im Jahre 1426 befand sich daselbst ein Berggerichtsanwalt, der vermutlich im heutigen Hiaseggerhof seinen Amtssitz hatte. Gewonnen wurde hauptsächlich Bleiglanz, der in zahlreichen Gruben geschürft und auswärts, in Lana und im Sarntal verhüttet wurde. Noch heute sind einige so genannte Knappenlöcher, wie etwa in der Nähe des Nalser-Bacherhofes, zu finden. Im Garten des Schlosses Schwanburg wurde der Eingang eines Stollens erst vor wenigen Jahrzehnten vermauert. Da der Terlaner Bergsegen bald ergiebiger wurde als der von Nals, verlegte man im Jahre 1533 das Bergrichteramt dorthin. Aber schon im Jahre 1673 befanden sich die Nalser und auch die Terlaner Gruben in nahezu hoffnungslosem Zustand, und 1628 hatte der arme Bergrichter Hans Christoph Engl, dessen ohnehin schmales Jahresgehalt von 60 auf 30 fl gekürzt worden war, dem Bozner Stadtrat „allerlei Werchzeug umb ein billichs“ verkauft. Noch schlechter erging es der Knappenschaft, die in der Blütezeit zwischen 1480 und 1570 jährlich an die tausend Knappen zählte, nunmehr aber auf einige wenige reduziert war, bis schließlich die Bergwerke gänzlich aufgelassen wurden.

Vom Sumpf zu den fruchtbaren Obstgärten - Die Etschregulierung

Die Talsohle der Etsch war ursprünglich von ausgedehnten Sümpfen, den Mösern, und von Erlenauen bedeckt. Noch im Jahre 1838 berichtet Beda Weber in seinem Buch „Das Land Tirol“: „Die Auen zwischen Meran und Bozen sind theils ergiebige Maisfelder, theils Gehölze und magere Weideplätze, theils Sumpfschilfröhrengebreite, die man zur Streu benützt.“ Heutzutage erinnern den Besucher von Nals nur noch wenige Reste von Streumösern an jene Zeit. Ein Hauptverdienst an der Nutzbarmachung der Etschgründe hat die so genannte„Etschregulierung“. Erst durch sie wurde eine intensive Kultivierung der Möser möglich. Die wiederholten Überschwemmungen der Etsch zwangen bereits in ältester Zeit die Bevölkerung des Tales, zum Schutze ihrer Gründe und Güter, Schutzbauten an der Etsch zu errichten. Infolge des ständigen Anwachsens der Kultivierungen der Talniederungen bildeten sich im Laufe der Zeit Schutzgenossenschaften. Diese aber erzielten nicht den gewünschten Erfolg, wie die Chronik der Etschüberschwemmungen zu berichten weiß. Eine wirksame Lösung des Problems bahnte sich erst an, als man zur Überzeugung gelangte, dass eine befriedigende Verteidigung vor den Etschwassern nur mit einer ununterbrochenen Verbauung des Flusses erzielt werden konnte. Für die Durchführung eines so umfangreichen Planes reichten die Mittel der Talbewohner natürlich nicht aus. Man musste daher abwarten bis sich die höchsten Staatsstellen mit diesem Problem zu beschäftigen begannen. Zur Zeit der Kaiserin Maria Theresia begann man die vollständige Regulierung der Etsch als ein Problem von öffentlichem Interesse zu betrachten. In Zusammenarbeit im dem Staat wurden deshalb systematische Schutzarbeiten an der Etsch in Angriff genommen. Das erste vollständige Projekt wurde aber erst im Jahre 1805 von Major Novak ausgearbeitet. Die Arbeiten auf dem Teilstück zwischen Meran und Bozen wurden auf Grund eines Gesuches der Gemeinden Meran, Mais, Marling, Lana, Tisens, Nals, Gargazon, Andrian und Terlan, in welchem der Bau einer Eisenbahnlinie und die Etschregulierung auf diese Strecke angeregt wurde, erst im Jahre 1880 begonnen. Der Fortschritt der Arbeiten war zufriedenstellend, so dass bereits im Oktober 1881 die Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie Bozen-Meran erfolgen konnte. Die 1891 vollendeten Schutzbauten wurden einer Genossenschaft übergeben, die sich als Etschregulierungs-Erhaltungs-Genossenschaft Passer-Eisackmündung bezeichnete. Heute nennt sie sich Meliorierungsgenossenschaft Passer-Eisackmündung. Hinter dem sicheren Schutz der beiden Etschdämme konnte die Kultivierung ausgedehnter Gründe der Talsohle beginnen. Wo sich früher luftverseuchende Sümpfe ausdehnten, entstanden die heutigen, fruchtbaren Wiesen und Obstgärten.

Nals, ein Grenzort – 1809: Die Teilung Tirols

Zur Zeit der napoleonischen Eroberungszüge, im Jahre 1805, war Tirol zu Bayern gekommen, das auf der Seite Napoleons stand. Die fremden Herrscher versprachen zwar, dem Lande die alten Rechte zu belassen, hielten aber ihr Versprechen nicht ein. Daher wuchs allenthalben die Unzufriedenheit im Tiroler Volke, und bald wurden Befreiungspläne geschmiedet. Verwirklicht wurden diese Pläne im Jahre 1809 in der Erhebung der Tiroler unter der Führung des Sandwirtes Andreas Hofer. In den bekannten Berg-Isel-Schlachten besiegten die Tiroler ihre Feinde trotz deren gewaltiger Übermacht. Im Frieden von Schönbrunn, am 14. Oktober 1809, fiel Tirol jedoch abermals an Bayern, da sich auf den Kriegsschauplätzen außerhalb des Landes Dinge ereignet hatten, die von üblen Folgen begleitet waren. Die österreichischen Truppen mussten infolge der Niederlage von Wagram und des Waffenstillstandes zu Znaim Tirol räumen. Die Tiroler hielten die Nachricht vom Frieden für eine Kriegslist und rüsteten abermals zum Kampfe am Berg Isel. Napoleon ließ aber die nun freigewordenen Armeen von allen Seiten gegen Tirol vorrücken, und so endete die vierte Schlacht am Berg Isel mit der Niederlage des Tiroler Landsturms. Die Rache der Feinde war schrecklich und richtete sich besonders gegen die Anführer. Um aber Land und Volk in seiner Einheit zu treffen, zerstückelte man Tirol in drei Teile. Der nördliche Teil wurde Bayern angegliedert, der südliche dem Königreich Italien und der östliche den illyrischen Provinzen. Nach dem Protokoll der Grenzregulierung verlief die damalige Grenze zwischen Bayern und Italien direkt durch Nals. Laut Generalstabskarte zog sie sich vom Gampenpass über den Wechsel und Moschenberg nach St. Apollonia in Obersirmian, von dort über Schloss Payersberg zum Grissianerbach, folgte dann dem Gießen bis zur Etsch, der entlang gegen Norden bis Gargazon, von wo sie dem Aschlerbach folgend über den Tschöggelberg verlief. Ältere Bewohner des Dorfes erinnern sich noch an den Standort des einen oder anderen Grenzsteins. Auch erzählt man sich noch manche Schmuggelgeschichten aus jenen Tagen. Ein beliebter Schmuggelartikel war das Salz, das im bayrischen Landesteil wesentlich teurer war. Durch den Wiener Kongress, im Jahre 1815, wurde Tirol wieder vereint, und die Grenze durch Nals verschwand.

Das Kriegerdenkmal – 1. und 2. Weltkrieg

Eine neuerliche Wende in der Geschichte Tirols brachte das Jahr 1918 mit der Niederlage der Zentralmächte und dem Ende des Ersten Weltkriegs. Die Siegermächte, insbesondere der US Präsident Wilson, genehmigten Italiens Forderung nach der Brennergrenze. Im Frieden von St. Germain, 1919, wurden 250.000 deutschsprachige Tiroler, die nördlich der Salurner Klause lebten, von Tirol losgerissen und die Grenze Österreichs gegen Italien am Brennerpass, am Reschenpass und östlich des Toblacher Feldes festgelegt. 21 Männer aus Nals waren aus den Schützengräben des Ersten Weltkriegs nicht mehr heimgekehrt. Während des Zweiten Weltkriegs standen wiederum viele unserer Landsleute an den verschiedensten Fronten. Weitaus die größte Zahl an Opfern forderte der Krieg im Osten. 28 Soldaten aus unserem Dorf hatten dabei ihr Leben eingebüßt. Den Gefallenen beider Weltkriege wurde im Jahre 1967 auf Initiative des örtlichen Verkehrsvereins und durch dessen tatkräftigen finanziellen Einsatz im Park zwischen dem Schulhaus und der Kirche ein würdiges Denkmal erstellt. Ein Dank gilt dabei auch den Kameraden des Südtiroler Frontkämpferverbandes aus Nals und der Patenstadt Gemünden am Main in Deutschland, die sich durch Spenden an der Errichtung des neuen Kriegerdenkmals beteiligten. Die überlebensgroße Bronzestatue wurde vom Bozner Bildhauer Hans Plangger geschaffen. Am 30. April 1967 wurde das Denkmal feierlich eingeweiht, wobei der damalige Landeshauptmann Dr. Silvius Magnago die Festansprache hielt.